Am 29. Oktober 2020 organisierte das Forstinstitut Slowenien (GIS) einen Kick-off-Event für das Projekt „Forest in Women´s Hands“ in Form einer internationalen Webkonferenz. GIS ist Leadpartner des Projekts Fem4Forest: Forests in Women’s Hands, österreichische Partner sind FAST Pichl, Waldverband Steiermark und nowa. Auch die drei assoziierten Partner aus der Steiermark, LFS Grabnerhof, INA und LIECO, nahmen an der Konferenz teil.

Das Ziel

Ziel der Konferenz war es, dieses am 1. Juli gestartete Projekt, dessen Partner aus dem gesamten Donauraum kommen, vorzustellen und Beispiele für Best Practices für Frauen in der Forstwirtschaft aufzuzeigen.
Die Schwerpunkte des Projektes Fem4Forest:

  • gezielte Förderung der Integration von Frauen in die Forstwirtschaft
  • Erfahrungsaustausch unter den Projektregionen
  • Aufbau eines neuen Stakeholder-Netzwerkes in der Forstwirtschaft

Die TeilnehmerInnenTN_nach_Laendern.png

Forstfachleute, EntscheidungsträgerInnen und weitere AkteurInnen des Forstsektors aus allen Partnerländern des Fem4Forest-Projekts und darüber hinaus waren zur Konferenz eingeladen, und 136 Personen (88% Frauen, 12% Männer) aus 17 Ländern nahmen an dieser erfolgreichen Veranstaltung teil. Die meisten TeilnehmerInnen kamen dabei aus Slowenien, der Ukraine und Österreich, aber auch VertreterInnenaus anderen Kontinenten nahmen teil.

 

 Die meisten TeilnehmerInnen kamen aus Bildungs- und Forschungseinrichtungen, verschiedenen Interessengruppen und NGOs sowie aus dem Forstdienst.

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Die Teilnehmenden waren mit dem Inhalt sowie der Durchführung der Veranstaltung sehr zufrieden und bestätigten, dass ihre Erwartungshaltung an die Konferenz erfüllt werden konnte. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer teilten die Meinung, dass es eine solche Initiative und die vorgestellten Best Practices im Donauraum braucht, um Frauen in der Forstwirtschaft einen den Männern gleichwertigen Stellenwert geben zu können.

 

 

Der Inhalt

Anhand von sechs Präsentationen wurde ein breiter Einblick in aktuelle Fragestellungen und Aktivitäten zum Thema "Frauen in der Forst- und Holzwirtschaft" gegeben. Am Ende jeder Präsentation wurde eine kurze Umfrage unter den Teilnehmenden durchgeführt.

Präsentation 1

Vorstellung des Projektes „Fem4Forest“ (Nike Krajnc, Fem4Forest-Projektmanagerin, GIS, Slowenien)

Praesentation_1.pngNike präsentierte in Kürze einen Überblick über die Projektstruktur und nannte alle relevanten Projektdaten wie die Anzahl der Projektpartner (14), die Projektziele, die Methodik und die wichtigsten Ergebnisse. Auf ihre Frage, ob der stärkeren Einbeziehung von Frauen in die forstpolitische Entscheidungsfindung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte, antworteten 97% der Teilnehmenden mit "Ja".

 

 

 

Präsentation 2

Frauen in der Forstwirtschaft in Österreich: Daten, Fakten und erfolgreiche Beispiele (Dagmar Karisch-Gierer, FAST Pichl, Österreich)

Dagmar teilte ihre Erfahrungen aus der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl Pichl, mit dem Verein Forstfrauen und ihren Blick auf den Forstsektor

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in Bezug auf Frauen in Österreich. Sie arbeitet daran, Frauen in der Forstwirtschaft sichtbar zu machen und sie bei der Etablierung in der Forstwirtschaft zu unterstützen. Sie betonte, dass jetzt ein guter Zeitpunkt sei, um neue Angebote mit geschlechtsspezifischem Zugang zu entwickeln und gemeinsam mit professionellen und erfahrenen Partnern das Bewusstsein für die Gleichstellung der Geschlechter zu schärfen.Schulung_Ausbildung.png

Die Antworten der Teilnehmenden nach Schulungen und Ausbildungen für Frauen in der Forstwirtschaft sind interessant: Jeweils ein Drittel gab an, dass dass entsprechende Angebote in ihrem Land existieren, nicht vorhanden wären bzw. dass sie nichts darüber wüssten.


 

Präsentation 3

Frauen in der Forstwirtschaft in Bayern (Kathrin Böhling, Beatrix Enzenbach, LWF, Germany)

Kathrin Böhling gab eine kurze Einführung mit Hintergrundinformationen zu Wäldern und Forstwirtschaft in Bayern. In Bayern sind 30% der Waldbesitzer Frauen und 30% der Absolventen von Waldstudienprogrammen Frauen. In der bayerischen Forstverwaltung arbeiten jedoch nur

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14,8% Arbeitnehmerinnen und in bayerischen Landesforstunternehmen 16,7%. Kathrin präsentierte eine Reihe von Aktivitäten zur Sensibilisierung, Karriereentwicklung und nachhaltigen Vernetzung, um eine aktivere Rolle von Frauen in der Forstwirtschaft in Bayern aufzubauen. Beatrix erklärte, warum sich Waldbesitzerinnen in Bayern zu vernetzen begannen und was die sind profitiert davon. Beatrix Enzenbach stellte den Teilnehmern auch die Interessengemeinschaft der Waldbesitzerinnen vor, die ein hervorragendes Beispiel für ein Netzwerk ist, das Frauen in der Forstwirtschaft eine Stimme geben möchte. Kathrin und Beatrix fragten die Konferenzteilnehmer, ob Frauen in der Forstwirtschaft bestimmte Führungsqualitäten vermittelt werden sollten. Eine große Mehrheit der Teilnehmer (85%) antwortete zustimmend.

 

Präsentation 4

Braucht der Wald einen Mann oder reicht eine Frau? Reflexionen basierend auf 25 Jahren Forschungserfahrung auf diesem Gebiet (Gun Lidestav, SLU, Sweden). Gun gab einen persönlichen Überblick über eine Liste sehr interessanter und häufig gestellter Fragen, wie zum Beispiel:

  • Wie unterscheidet sich der Waldbesitz von Frauen vom Waldbesitz von Männern?
  • Unterscheidet sich die Managementpraxis von Frauen von der Managementpraxis von Männern?
  • Denken und handeln Waldbesitzerinnen „grüner“?
  • Wie sieht der Prozess der Sozialisierung in Waldbesitz (Forstberufe) für Mädchen / Frauen und Jungen / Männer aus?
  • Ist die Gleichstellung der Geschlechter ein Ziel oder ein Mittel?

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Auf ihre Frage, ob das Geschlecht das Interesse an Wald und Forstwirtschaft beeinflusst, gab die Hälfte der Teilnehmenden an, dass das Geschlecht nur mäßigen Einfluss auf ihr Interesse an Wald und Forstwirtschaft hat.

 

 

 

Präsentation 5

Frauen in Bosnien und Herzegowina vom College bis zum Forstdienst - eine Realität (Ajla Dorfer, FEA, Bosnia and Herzegovina)

Ajla gab einen kurzen Überblick über Bildungseinrichtungen für Forstfachkräfte in Bosnien und Herzegowina und führte die Teilnehmer in die Organisation des öffentlichen Forstsektors in Bosnien und Herzegowina ein. Der Forstsektor in Bosnien und Herzegowina ist eine äußersttraditionelle Branche. Die öffentliche Wahrnehmung ist, dass Forstwirtschaft in erster Linie als körperliche Arbeit für Männer betrachtet wird.

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Ungefähr jede dritte Person, die sich an einer forstwirtschaftlichen Schule oder Fakultät einschreibt, ist eine Frau. Die Beschäftigung von Frauen in diesem Sektor variiert zwischen etwa 10% in der FBiH und 20% in der RS. Die politische Beteiligung von Frauen ist sehr begrenzt - es gibt nur wenige Frauen in Entscheidungspositionen. Aufgrund des traditionellen patriarchalischen Lebensstils gibt es auch eine kleine Anzahl weiblicher PFOs, bei denen Frauen das Land selten mit Ehemännern teilen und / oder ihre Erbrechte aufgeben. Es mangelt an Initiativen oder Haushaltshilfen, die Frauen dazu ermutigen würden, im privaten Forstsektor oder in einem ländlichen Gebiet zu arbeiten, sowie an Programmen zur Stärkung der Rolle der Frau in der Forstwirtschaft und im ländlichen Raum im Allgemeinen. Da es in Bezug auf Frauen in der Forstwirtschaft in Bosnien und Herzegowina viel zu verbessern gibt, unterstrich Ajla die Bedeutung von Initiativen wie Fem4Forest. Ajla Dorfer fragte die Teilnehmenden, ob sie der Meinung seien, dass Frauen in ihrem Land weniger Erfolgschancen in der Forstwirtschaft haben. 66% antworteten mit ja, 11% waren nicht überzeugt und 23% hielten dies für nichtzutreffend.

 

Präsentation 6

Women in Wood: Abbau von Barrieren in der Forstwirtschaft  (Jessica Kaknevicius, Mitbegründering von Women in Wood, Kanada)

Die letzte Dozentin, Jessica Kaknevicius, stellte die Arbeit ihres Vereins "Women in Wood" und die Hauptgründe für ihren Erfolg vor. Sie betonte, wie wichtig es ist, Praesentation_6.png

  • eine Gemeinschaft von Frauen aufzubauen, die in, mit und für den Wald arbeiten,
  • Frauen zu ermutigen, Karriere in der Forst- und Holzwirtschaft zu machen,
  • sich gegenseitig zu unterstützen und
  • Informationen und Orientierung zu bieten.

Jess stellte die Frage: "Glauben Sie, dass soziale Netzwerke eine wichtige Rolle bei der Verbindung, Bildung und Förderung von Frauen in der Forstwirtschaft spielen?" 90% der Teilnehmenden stimmten dem zu, was bedeutet, dass soziale Netzwerke ein richtiger Weg sind, um die Zielgruppe zu erreichen.

 

Fazit

Wir  sind der Überzeugung, dass die Gleichstellung der Geschlechter wichtig ist. Eine aktivere Rolle von Frauen ist eine Chance, die Kapazitäten und die Wettbewerbsfähigkeit des lokalen und regionalen Forstsektors erhöhen.

Die Konferenz wurde auch live auf der Facebook-Seite des Ministeriums für Forsttechnik und Wirtschaft des Forstinstituts Slowenien übertragen, über 4.000 Menschen wurden mit Live-Streaming erreicht (www.facebook.com/gisgte).

Project co-funded by European Union funds (ERDF, IPA, ENI)
Projektnummer: DTP3-500-1.2 Fem4Forest
http://www.interreg-danube.eu

 

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